Heilig-Geist-Kapelle in Berlin-Mitte

Heilig-Geist-Kapelle, Berlin-Mitte – Konzeption und Fachbauleitung

Restaurierung und Konservierung der Heilig-Geist-Kapelle

Die Heilig-Geist-Kapelle an der Spandauer Straße ist das einzig noch erhaltene Gebäude des mittelalterlichen Heilig-Geist-Hospitals und gehört zu den ältesten Gebäuden Berlins. Sie wurde um 1300 errichtet und danach mehrfach baulich verändert. Zu den wesentlichen Veränderungen zählt der Einbau des heutigen Sterngewölbes mit spätgotischer Ausmalung um 1520. Mit dem Bau der angrenzenden Handelshochschule 1905 und dem Umzug des Hospitals ändert sich auch die Nutzung der Heilig-Geist-Kapelle, die fortan als Hörsaal und schließlich als Mensa diente.

Die in mehreren Phasen von 1995 bis 2005 durchgeführten restauratorischen Untersuchungen dienten der Vorbereitung, Entwicklung und Umsetzung eines Restaurierungskonzeptes welches schließlich die Wiedergewinnung der Raumschale aus der Zeit um 1520 beinhaltete.  Jörg Breitenfeldt war mit der restauratorischen Projektleitung und Konzeptionierung beauftragt. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Hüffer & Ramin (Ursula Hüffer) durchgeführt und im Jahre 2005 erfolgreich abgeschlossen.

Die durch restauratorische Befunde verbürgte und heute restaurierte Raumfassung vermittelt den Eindruck eines mittelalterlichen Raumes, ohne aber im Detail den Urzustand wiederherzustellen. Die nun wieder sichtbare Fassung aus der Zeit um 1520 mit den freigelegten Malereien im Gewölbe, den roten Gewölberippen, Fenstermaßwerken und Fenstergewänden und dem konservierten und ergänzten Ziegelboden verleiht dem Innenraum wieder eine zuvor ungeahnt feierliche und würdige Stimmung.

Die Heilig-Geist Kapelle besitzt den ältesten und nahezu noch vollständig erhaltenen Dachstuhl Berlins. Nach den dendrochronologischen Untersuchungen datieren die Hölzer des Dachstuhls auf das Jahr 1476.  Für den Dachstuhl wurde ein spezielles Restaurierungskonzept zur Schwammbekämpfung im Mauerwerk und für die originalen Holzbalken entwickelt und verwirklicht, welches es schließlich möglich machte, den Dachstuhl und das historische Mauerwerk vollständig zu erhalten. Für die Gewährleistung der Standsicherheit wurde eine statische Ersatzkonstruktion eingebaut.

Die Entwicklung der Restaurierungskonzeption für die Fassaden berücksichtigt Ergebnisse aus Befunduntersuchung, Bauforschung und Archivrecherche ebenso, wie die grundsätzliche Anerkennung des jetzigen baulichen Zustandes als historischen Bestand und als Teil der Baugeschichte der Heilig-Geist-Kapelle. Durch diese Akzeptanz der historischen Bestände in Verbindung mit einer abgewogenen Wiederherstellung der Fassungen auf den Fenstermaßwerken sowie Blendfenstern, vermitteln die Fassaden heute wieder ihre überraschend hochwertige und ursprünglich intendierte Wirkung, auch wenn sie aufgrund der vielen historischen Veränderungen nicht mehr einen bestimmten Zustand zeigen.

Leistungen
  • Erstellung der Restaurierungskonzeption (Innenraum, Dachraum und Fassade), Bauforschung und Bestandserfassung mit Schadens- und Bauphasenkartierungen
  • Entwicklung der Methoden zur Freilegung der mehrfach übermalten Gewölbemalerei
  • Denkmalpflegerisch-restauratorisches Konzeptes für den vollständigen Erhalt und die Sanierung des Dachstuhls aus dem 15. Jh.
  • Restauratorische Untersuchung der archäologischen Grabungen
  • Erstellung der Leistungsverzeichnisse für die Restaurierungsmaßnahmen und Durchführung eines mehrstufigen Leistungswettbewerbes
  • Koordination der denkmalpflegerischen Leistungen in der Planungs- und Ausführungsphase und Fachbauleitung
Ausführungszeitraum

2001 – 2005

Bausumme

ca. 2.75 Mio € / Fläche: ca. 160 m2

Auftraggeber

Humboldt-Universität Berlin, Bauabteilung

Mäzene

Deutsche Bank, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Cornelsen-Stiftung, Krone Management u. Technologie GmbH & Co. KG